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  • Eine Schwarz-Weiss-Aufnahme der Ausstellung INTERGRAFIK 73, die 1973 im Alten Museum in Berlin stattfand.

    Ausstellungsansicht der INTERGRAFIK 73, Altes Museum, Berlin, 1973.

    © Deutsche Fotothek / Asmus Steuerlein / Rosanna Cavallini

  • Plakat für die 18. Grafik-Biennale Ljubljana, 1989. Das Plakat zeigt eine Arbeit von Dan M. Allison mit dem Titel "Eden", auf welcher eine stilisierte Weltkarte zu sehen ist.

    Plakat für die 18. Grafik-Biennale Ljubljana, 1989.

    Das Werk von Dan M. Allison, "Eden" (Collagraphie, 1988–89), Gewinner des Grossen Preises an der 17. Grafik-Biennale Ljubljana, war auf dem Plakat und Cover des Ausstellungskatalogs vertreten. Foto: Jaka Babnik. MGLC Archive.

Ost-Süd-Konstellationen. Transnationale Perspektiven auf Ausstellungen grafischer Kunst zwischen der DDR und blockfreien Ländern, 1955–1990

Während des Kalten Krieges war grafische Kunst ein wirkmächtiges und politisiertes künstlerisches Medium. Es ermöglichte Austausch über geopolitische Trennlinien hinweg und trug dazu bei, Verbindungen zwischen dem Ostblock und dem Globalen Süden herzustellen.

Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie Grafikausstellungen zu transnationalen Verflechtungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und blockfreien Staaten, vor allem im Globalen Süden, beigetragen haben. Diese Ost-Süd-Konstellationen verbanden kulturpolitische Strukturen des sozialistischen deutschen Staates mit unterschiedlich politisch motivierten Künstler:innenorganisationen in blockfreien Ländern. Für die DDR waren solche kulturellen Allianzen zwischen Sozialismus, Anti-Kolonialismus und Anti-Imperialismus zentral für die diplomatische Anerkennung. Künstler:innen, Kurator:innen und Diplomat:innen aus blockfreien Ländern wiederum hofften, im sozialistischen Teil Deutschlands eine Ausstellungsplattform für politisch engagierte Kunst zu finden, die außerhalb einer westlich dominierten Sphäre lag. Grafische Kunst, insbesondere die Druckgrafik, eignete sich besonders gut für diesen transnationalen Austausch aufgrund ihrer niedrigen Produktionskosten, einfachen Reproduzierbarkeit und Transportierbarkeit.

Forschungsziele

Das Projekt kartiert die komplexe Landschaft transnationaler Druckgrafikausstellungen im Kalten Krieg aus mehreren Blickwinkeln. Bisher nicht berücksichtigte Aspekte wie der Beitrag der DDR zum transnationalen Ausstellungsgeschehen in der Grafik und Künstler:innenperspektiven aus u.a. Chile, Kuba, Indien und Tansania erweitern bisherige kunsthistorische Narrative, die eine wichtige erinnerungspolitische Funktion haben.

Zentrale Fragen sind:

  • Welche konkreten transnationalen Verbindungen zwischen der DDR und blockfreien Staaten haben periodische Ausstellungen (Biennalen und Triennalen) für grafische Kunst hergestellt?
  • Wie gestalteten, nutzten und transformierten verschiedene Institutionen und Individuen diese Verbindungen?

Das Projekt arbeitet heraus, welche Biennalen für kulturpolitische Verbindungen zwischen der DDR und blockfreien Ländern zentral waren. Es unterstreicht die besondere Bedeutung der INTERGRAFIK (1965–1990), der internationalen Grafiktriennale der DDR in Ost-Berlin, sowie der Grafikbiennalen in u.a. Cali (gegr. 1971), Ljubljana (gegr. 1955), Lugano (gegr. 1950), Neu-Delhi (gegr. 1974) und San Juan (gegr. 1970). Zugleich legt das Projekt offen, wie Kunst im Zeichen der "antiimperialistischen Solidarität" von Künstler:innen, Kurator:innen, Aktivist:innen und Diplomat:innen unterschiedlicher internationaler Herkunft jeweils anders interpretiert und mitgestaltet wurde. Darüber hinaus macht das Projekt bisher vernachlässigte Laufbahnen und Ausstellungstätigkeiten von Künstler:innen aus blockfreien Ländern in der DDR sichtbar.

Methoden und Arbeitsphasen

Methodisch geht das Projekt in zwei Schritten vor: Erstens untersucht es die Ausstellungsinfrastruktur für Grafik, die Austausch zwischen der DDR und blockfreien Ländern ermöglicht hat. Zweitens fragt es mit einem transkulturellen Ansatz nach deren Nutzung, Ablehnung oder Transformation durch einzelne Künstler:innen. 

Auf der Grundlage bislang unerschlossener Archivmaterialien und wenig beachteter Grafiksammlungen verfolgt das Projekt drei Untersuchungslinien:

(1) Untersuchung von Biennalen und Triennalen für grafische Kunst als Kontaktzonen zwischen der DDR und blockfreien Ländern;

(2) Analyse der Triennale INTERGRAFIK als Plattform für transnationalen Austausch innerhalb der DDR;

(3) Untersuchung transkultureller Austauschprozesse aus der Perspektive der Künstler:innen selbst, ergänzt durch Interviews mit Zeitzeug:innen.

Dieses Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert (Ambizione, 2025–2029) und ist am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich angesiedelt.